Wärmeinsel: AIAPP TUM Technisches Seminar in Pistoia
Wenn die Stadt brennt: Gestaltung von Boden, Schatten und Atemräumen
Am Freitag, dem 16. Januar 2026, fand im Naturart Village in Pistoia (einem Projekt der Giorgio Tesi Group) ein Fachseminar zu Techniken und Methoden zur Minderung der städtischen Wärmeinsel statt. Die von AIAPP TUM mit Unterstützung lokaler Fachverbände initiierte praxisorientierte Diskussion konzentrierte sich auf Landschaftsgestaltung als Klimainfrastruktur. Von der Rolle der Vegetation bis hin zu naturnahen und wasserdurchlässigen Belägen – das Ziel ist eins: die Stadt von einer „heißen“ Oberfläche in ein lebendiges System zu verwandeln.
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Es gibt Tage, an denen sich die Stadt wie eine Betonplatte anfühlt. Das ist keine poetische Metapher, sondern eine Frage der Materialien, der Geometrie und der Gewohnheiten: der Asphalt, der Feuchtigkeit aufsaugt, der Beton, der sie speichert, der fehlende Schatten, das Wasser, das nicht mehr in den Boden sickert. So entsteht die städtische Wärmeinsel durch Schichtung, als Summe unzähliger kleiner Entscheidungen, die mit der Zeit das lokale Klima prägen. Und wenn sich das Klima tatsächlich verändert (mit häufigeren Hitzewellen und stärkeren Regenfällen), fordert diese Summe ihren Tribut.
Am Freitag, dem 16. Januar 2026, wurde dieses Thema im Naturart Village in Pistoia in einem Fachseminar zu „Techniken und Methoden zur Minderung städtischer Wärmeinseln“ ausführlich behandelt. Der Veranstaltungsort war kein Zufall: Das Naturart Village gehört zur Giorgio Tesi Group , einer führenden Baumschule und Partner von AIAPP (ebenso wie Terra Solida). Schon die Gestaltung des Ortes selbst zeugt von einer einfachen, aber oft vergessenen Wahrheit: Grün ist nicht nur „Dekoration“, sondern verkörpert Fachwissen, Produktion und Designkultur.
Die Veranstaltung wurde von AIAPP TUM (Toskana, Umbrien, Marken) mit Unterstützung der Architekten-, Planer-, Landschaftsarchitekten- und Denkmalpflegerkammer der Provinz Pistoia sowie der Agronomen- und Forstärztekammer der Provinz Pistoia organisiert. Nach den Begrüßungsworten von Architektin Manuela Tizzi (Präsidentin der Architekten-, Planer-, Landschaftsarchitekten- und Denkmalpflegerkammer Pistoia) ergriff Emanuela Morelli, Präsidentin von AIAPP TUM, das Wort und gab mit ihrer Rede den Ton für den Tag vor: Die Minderung der Hitzeinseln ist keine rein technische Angelegenheit im herkömmlichen Sinne; es geht vielmehr um Landschaftsplanung und damit um Vision, Methode und Verantwortung.
Denn bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass der Hitzeinseleffekt eine Momentaufnahme des Ungleichgewichts zwischen Stadt und Boden darstellt. In modernen Städten wird der Boden oft als inertes Substrat behandelt (er setzt sich, verdichtet sich, wird wasserdicht), dabei ist er in Wirklichkeit ein komplexer Organismus, ein Wasserspeicher, ein biologischer Regulator, ein Schwamm, der extreme Wetterereignisse abmildern oder, wenn er ihnen fehlt, verschlimmern kann. Deshalb bedeutet die Diskussion über Minderungsmaßnahmen auch die Diskussion über städtische Entwässerung, Regenwassermanagement, Beschattung, Materialien, Wasserdurchlässigkeit, Instandhaltung und langfristige Prozesse (Wachstum und Regeneration).
In diesem Rahmen präsentierte Dr. Geol. Maurizio Gioia (Terra Solida / Promotec) einen klaren und praxisorientierten Fokus auf die Rolle natürlicher, umweltfreundlicher und wasserdurchlässiger Beläge bei der Minderung hydrogeologischer Instabilität und der Reduzierung des städtischen Wärmeinseleffekts. Hierbei wird die Problematik sehr konkret: Die bloße Bezeichnung „grün“ oder „nachhaltig“ reicht nicht aus; es ist wichtig zu verstehen, welche Leistung angestrebt wird, welche Parameter verwendet werden und welche realen Einschränkungen bestehen (Tragfähigkeit, Nutzbarkeit, Haltbarkeit, Wartung, Klima und Verwendungszweck).
Im ersten Teil seiner Rede ging Maurizio auf die technischen und wissenschaftlichen Aspekte ein, die die Wirksamkeit von Straßen und Gehwegen im Hinblick auf die Auswirkungen des Klimawandels auf den Boden bestimmen. Dies ist ein entscheidender Schritt, da er den Fokus von der Absichtserklärung auf die Überprüfung verlagert. Bei urbanen Oberflächen hat jede Entscheidung messbare Folgen: Oberflächentemperatur, Reflexionsvermögen, Versickerungsfähigkeit, Verdunstung, Wärmeaustausch und Verhalten bei Starkregen. Nachhaltigkeit ist kein Etikett, sondern eine Leistungsbewertung.
Daher der zweite Schritt: die Definition dessen, was einen Belag wirklich „natürlich und umweltfreundlich“ macht. Nicht als Slogan (der heute wertlos ist und morgen erst recht nicht), sondern als eine Reihe notwendiger Eigenschaften: tatsächliche Wasserdurchlässigkeit, Harmonie mit der Landschaft, die Möglichkeit zur Integration von Wassermanagement, Beständigkeit gegenüber Wartungszyklen und der täglichen Nutzung des Raumes. Mit anderen Worten: Ökologische Verträglichkeit hängt nicht nur vom Material ab, sondern auch von der langfristigen Funktion.
Im zweiten Teil des Seminars wurde die Dimension beleuchtet, die oft darüber entscheidet, ob gute Theorie in die Praxis umgesetzt wird: Projekte und Fallstudien. Unser Kollege Maurizio Gioia präsentierte Interventionen, die mit Terra Solida-Technologien realisiert wurden, zeigte Vorher-Nachher-Bilder und erläuterte vor allem die Besonderheiten und technischen Anforderungen der jeweiligen Kontexte. Hier wird der Unterschied zwischen einer Standardlösung und einem gestalterischen Ansatz deutlich: Jeder Standort hat seine eigene spezifische Struktur (Hangneigung, Bodenbeschaffenheit, Entwässerung, Nutzung, Einschränkungen), und jede Landschaftsentwicklung ist letztlich ein geschicktes Ausbalancieren von Grenzen und Möglichkeiten.
Das Publikum reagierte auf die bestmögliche Weise: nicht mit Applaus, sondern mit Fragen. Am Ende des Vortrags folgte ein wahrer Fragenhagel, der großes Interesse und Begeisterung für die besprochenen Themen bewies – ein Zeichen dafür, dass das Thema nach wie vor aktuell ist und dass es nach praktischen Lösungen und nicht nach leeren Worten dürstet. Denn für Planer ist der Klimawandel heute kein bloßes „Nebenthema“ mehr, sondern die zentrale Herausforderung und, richtig interpretiert, der erste Hebel für Qualität.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, ein Detail hinzuzufügen, das nicht nur ein „Rahmenwerk“, sondern ein konkretes Beispiel darstellt. Terra Solida-Pflaster wurden in den Atlas der Pflasterungen zur Reduzierung der sommerlichen Überhitzung in urbanen Gebieten aufgenommen, der am 9. Oktober 2025 im MAXXI (Saal Buontempo) in Rom vorgestellt wurde. Der Atlas entstand im Rahmen eines spezifischen institutionellen Prozesses, der mit der Klimaanpassungsstrategie der Hauptstadt Rom (verabschiedet am 15. Januar 2025) verknüpft ist und unter wissenschaftlicher Mitwirkung des Fachbereichs Planung, Design und Architekturtechnologie der Sapienza-Universität unter der Leitung von Professorin Alessandra Battisti für das Klimabüro der Hauptstadt Rom entwickelt wurde. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies, dass das Thema „durchlässige und natürliche Pflasterungen“ nicht länger ein Nischenthema für Brancheninsider oder eine ästhetische Besonderheit ist; es ist nun Gegenstand eines technischen Vergleichs, der Leistungsfähigkeit, Anwendungskontexte und minimale Umweltkriterien (CAM) berücksichtigt.
Das Seminar schloss mit einem von Terra Solida in einem eigens dafür eingerichteten Bereich organisierten Aperitif, der Raum für informelle Gespräche bot. Auch dies ist von großer Bedeutung: Kompetenzen entwickeln sich im Austausch, wenn Menschen miteinander reden, unterschiedliche Meinungen vertreten, reale Fälle diskutieren, Kontakte austauschen und Sorgen und Lösungsansätze teilen. Die Stadt ist schließlich ein Gemeinschaftsprojekt. Und wenn die Stadt brennt, reicht es nicht, nur die Oberflächen zu kühlen: Wir müssen auch unsere Herangehensweise an Entscheidungen, Planung und Instandhaltung unseres urbanen Raums überdenken.
















